Kurssprecher des MEPA-Hauptkurses 2008
Mag. Ernst Speiser
Sehr geehrte Gastgeber,
sehr geehrte Damen und Herrn des MEPA -Vorstandes
liebe Freunde und Förderer der MEPA!
Im Namen der Absolventinnen und Absolventen des 16. MEPA -Hauptkurses danke ich allen, die diese Fortbildung ermöglicht und realisiert haben. Unseren Gastgebern danken wir für den Rahmen, in dem der Lehrgang so feierlich abgeschlossen wird. Wir danken für die verliehenen Dekrete und MEPA -Symbole.
Dekret und Symbole werden uns begleiten und uns erinnern, was wir gerade denken und fühlen. Es ist ein wohltuendes Gefühl, durch Akademiesprache und Philosophie – über Staatsgrenzen hinweg – mit dieser großen Familie sehr individueller Menschen verbunden zu sein. Es ist ein Privileg, Mitglied der MEPA -Familie zu sein.
Diese Erfahrung haben wir in den letzten Wochen immer wieder angesprochen.
Das Besondere an dieser Feier für uns ist, dass wir den Abschluss, begleitet durch Vordenker der MEPA und im Beisein unserer vertrauten, nationalen Betreuer begehen können.
In den letzten zwölf Wochen war es das Ziel, unsere Erfahrungen und Fertigkeiten als polizeiliche Praktiker mit Führungsverantwortung zu erweitern und zu vertiefen.
Wir befassten uns mit grenzüberschreitenden, polizeilichen Aufgaben bei Bekämpfung, schwerer und organisierter Kriminalität. Die MEPA öffnete uns ihr internationales Netzwerk. Wir konnten persönliche Kontakte knüpfen und erhielten Möglichkeiten zum offenen, fachlichen Informationsaustausch. Hochrangige Vertreter der Polizei haben uns in den Mitgliedsstaaten freundlich empfangen und so gegenüber der MEPA ein positives Signal gesetzt.
Eingeführt wurden wir in die neu adaptierte Internetplattform MEPA -Online. Mit ihr ist es Insidern möglich, rasch einen fachlich qualifizierten Ansprechpartner in den Mitgliedsstaaten ausfindig zu machen. Über diese Plattform können wir per E-Mail oder telefonisch, Kontakt aufnehmen. Von etwa 500 Hauptkursabsolventen sind rund 250 im System bereits erfasst.
Der unmittelbare und unbürokratische Kontakt zwischen Ermittlern aus den Mitgliedsstaaten in der Akademiesprache Deutsch, ist eine große Stärke der MEPA - Familie. Das Erlernen der Akademiesprache Deutsch wird in den Mitgliedsländern gefördert, wie hier am Standort der Akademie in Budapest. In Mitteleuropa bietet die deutsche Sprache eine breite Verständigungsmöglichkeit, weil sie von rund 96 Mio. Menschen als Muttersprache gesprochen wird.
Die MEPA -Hauptkurse bieten Nicht-Muttersprachlern ideale Voraussetzungen, ihre Deutschkenntnisse zu vervollkommnen. Wir Muttersprachler haben die Erfahrung gemacht, dass die Nicht-Muttersprachler innerhalb weniger Wochen eine bewundernswerte Sprachkompetenz erlangten.
Sie erwarben die Fähigkeit, dem fachlichen Inhalt schnell sprechender Referenten zu folgen, Fragen zu stellen und an Diskussionen aktiv teilzunehmen. Die Teilnehmer hatten die Fallvorgabe und Fragen in Deutsch zu bearbeiten sowie Texte für die Präsentation zu erstellen. Diese Absolventen sind befähigt, in grenzüberschreitenden Ermittlungsgruppen aktiv zu sein.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, das sind ganz besondere Leistungen, die ihr in diesen Wochen erbracht habt! Als Fortbildung wird der MEPA -Hauptkurs von uns Absolventen im Rückblick als Juwel in der polizeilichen Ausbildung der Mitgliedsstaaten bewertet.
Über den Zeitraum von zwölf Wochen, brachte sich jeder intensiv ein. Es war nicht leicht, sich für diese Zeit von den Heimatdienststellen und Familien zu entfernen.
Unsere Wochenenden nutzten wir zum Wechsel der Kleidung und für Ab- und Anreisen. Die positive Bewertung der MEPA-Ausbildung begründen wir damit, dass wir im Hauptkurs die Realisierung eines pädagogischen Fortbildungsideals erblicken.
Das Kursprogramm wird von den Vertretern der Mitgliedsstaaten gemeinsam konzipiert und national umgesetzt. Es wird kontinuierlich an der Verbesserung der Inhalte und Annäherung der Vortragsstandards, an bestehende Leitbilder gearbeitet.
Feedback-Bögen, mit denen die Qualität von Referaten bewertet wird, dienen als Grundlage, um die Fortbildung an die Bedürfnisse der Teilnehmer anzupassen. Das Qualitäts-management funktioniert, vorausgesetzt, dass die nationalen Betreuer die Möglichkeit haben, Referenten nach diesen Kriterien auszuwählen. So organisiert können Philosophie und Seminarziele mit höchster Wirksamkeit vermittelt werden.
Lassen Sie mich das nach dem pädagogischen Ansatz „Herz, Hirn und Hand“ ausführen:
Das Herz wird durch die Auswahl der Seminar-Orte, die Unterbringung und die Art und Weise erfasst, wie das nationale Betreuerteam auftritt. Wie Betreuer agieren, bestimmt ihr Verhältnis zur Gruppe. Von diesem Klima hängen der Grad des Vertrauens und die Qualität der Kommunikation ab. Ein gutes Betreuerteam schafft ein gutes Gefühl, Offenheit, gegenseitiges Verständnis und Zuwendung. Unser Verstand, Gedächtnis und Konzentration waren in den vergangenen zwölf Wochen gefordert, um rund 150 Vorträgen und Aktivitäten zu folgen, in Diskussion zu treten und Bewertungen vorzunehmen.
Am besten bewerteten wir Vorträge von Kollegen und Kolleginnen, die zu ihrer praktischen, polizeilichen Erfahrung auch über eine qualifizierte Präsentationstechnik verfügten. Diese Praktiker verstehen es vom konkreten Fall auszugehen, um am Ermittlungsverlauf nationale Besonderheiten polizeilichen Vorgehens, eingebettet im nationalen oder internationalen rechtlichen Rahmen zu vermitteln. Besonders interessant wurde es, wenn Referenten bei internationaler polizeilicher Zusammenarbeit, kritische Erfahrungen und Anregungen sehr offen und für uns in Zukunft verwertbar, angesprochen haben.
Wir arbeiteten intensiv miteinander, indem wir kommunizierten, uns organisierten und uns wechselseitig unterstützten. Grundlage war die Fallstudie und die Erarbeitung der Präsentation. Motivation unserer Arbeit war es, die vorliegende Fallstudie und die heutige Präsentation so zu gestalten, dass die individuellen Beiträge nachvollziehbar sind und wir uns damit identifizieren können.
Das kulinarische Angebot folgte dem genüsslichen Motto: „Liebe geht durch den Magen“. Jeder von uns hat diese verführerischen und „gewichtigen“ Erfahrungen ausgekostet.
Wien, Berlin, Potsdam, Danzig, Prag, Bratislava, Bern, Murten, Koper, Piran, Ljubljana und Budapest, lernten wir bei Stadtführungen kennen. Historische Gebäude und Denkmäler erinnerten uns an Gemeinsamkeiten und Differenzen der heutigen MEPA - Staaten, auf ihren Wegen zur Eigenständigkeit. Mit allen Sinnen haben wir diese Eindrücke aufgenommen und waren bemüht, diese in Bildern festzuhalten.
Aus vielen Erlebnissen möchte ich folgende in Erinnerung rufen:
- Heurigen-Abend in Grinzing;
- Führung durch die polizeiliche Infrastruktur des Olympiastadions in Berlin;
- Atmosphäre im Olympiastadion erleben, als 60.000 Zuseher ihre Mannschaften emotional begleiteten;
- Länderwettkampf im Pistolenschießen in Sopot;
- Flug im Polizeihubschrauber über Prag;
- Mit der Jungfraubahn zum Fuß der Eigernordwand;
- Raftingtour auf der SoČa in Slowenien;
- Schifffahrt am Meer vor Piran;
- Reiterhof der Brüder LaŹar, im Umland von Budapest.
Besonders nahe gehend war die Führung eines Zeitzeugen durch das ehemalige Stasi Gefängnis Hohenschönhausen in Berlin. Damalige Haftgründe, Haftbedingungen, Verhörmethoden stimmten nachdenklich und lösten bei mir gemischte Gefühle aus.
Es überwiegt Dankbarkeit, in der Gegenwart zu leben. Dankbar, polizeiliche Aufgaben unter demokratischen, rechtsstaatlichen Rahmenbedingungen erfüllen zu können.
Noch ein Blick in die Zukunft:
Ziel der MEPA ist die Kontaktpflege, das heißt, für Absolventen jährliche Treffen zu organisieren. Unser Kollege Uwe Zeiser plant ein solches Treffen im November 2008, in Freiburg. Alle Absolventinnen und Absolventen haben sich angemeldet.
Persönlich bedanke ich mich bei meinem Stellvertreter Arkadiusz Morawek für seine Unterstützung. Einfühlsam nahm er seine Funktion immer zum richtigen Zeitpunkt wahr. Bei meinen Kolleginnen und Kollegen bedanke ich mich für ihre Solidarität, die mir die Erfüllung meiner Funktion ermöglichte.
Für euch habe ich kleine Stücke versteinerten Holzes ausgesucht. Jeder Stein ist rund 200 Millionen Jahre alt, individuell gemasert und schön gefärbt. Damit verrottbares Holz so einzigartig und haltbar wird, benötigt es spezielle Umweltbedingungen.
Mit positiven Umweltbedingungen, die Veränderungen ermöglichen, assoziiere ich die MEPA. Sie ließ bei euch individuelle Besonderheiten hervortreten, ohne das Maß für die Gruppe und die Seminarziele aus den Augen zu verlieren.
Nach Abschluss der Feier, seid ihr eingeladen, in diesen Sack zu fassen und euch euren Stein zu erfühlen.
Werte Damen und Herrn,
die Absolventinnen und Absolventen des 16. MEPA-Hauptkurses danken Ihnen und der MEPA - Familie