Insider
Navigationslinks überspringen
Über uns
Aktivitäten
Kurse und Seminare
Publikationen
Links
Kontakt
Projekte
Englisch
Impressum
Festrede des Direktors des MEPA-Büros Budapest, Oberst Zoltán Féher, anlässlich der Eröffnung des 16. MEPA-Hauptkurses am 10. März 2008 
 
 
Sehr geehrter Vorstand,
sehr geehrte Festgäste,
werte Teilnehmerinnen und Teilnehmer am MEPA-Hauptkurs 2008!

Vor allem erlauben Sie mir, mich für die Möglichkeit zu bedanken, Sie an dieser Stelle begrüßen zu dürfen. Meines Wissens kommt es das erste Mal in der MEPA-Geschichte vor, dass ein früherer MEPA-Absolvent – ich nahm am Hauptkurs 2004 teil – in seiner neuen Funktion als Leiter einer NVS diese Gelegenheit wahrnehmen kann.

Sehr geehrte Damen und Herren!

Die Gründung der MEPA erfolgte beinahe gleichzeitig mit den politischen Änderungen im mittleren und östlichen Teil Europas, die die Entstehung neuer demokratischer Rechtsstaaten ermöglichten.

Als Folge dieser Änderungen ergaben sich viele Möglichkeiten für die Entfaltung der Freiheitsrechte der Menschen; es musste aber auch eine rasante und Grenzen missachtende Verbreitung der Kriminalität erkannt werden, denn mit der Möglichkeit der freien Bewegung und der Reisefreiheit zwischen west- und mittelosteuropäischen Ländern ging auch die Erweiterung des Gebietes für kriminelles Agieren einher.

Als Reaktion auf all diese Änderungen sicherte und sichert die MEPA mit ihrer Gründung und ihren Aktivitäten in den vergangenen 15 Jahren Möglichkeiten den Polizeien ihrer Mitgliedsländer, so effiziente und bürokratiefreie Kontakte zu pflegen, solche Formen der internationalen Zusammenarbeit auszubauen, die von Polizeipraktikern mit Recht anerkannt werden. Zahlreiche Beispiele für die gemeinsame Bearbeitung von konkreten Fällen bestätigten die Effizienz und damit auch die Daseinsberechtigung der MEPA.

Die Änderungen, die auch auf die Aufgaben der Polizeien Einfluss nahmen -  insbesondere die fünf MEPA-Länder betreffende EU-Erweiterung am 01.05.2004 - brachten neue Herausforderungen aber zugleich auch neue Möglichkeiten für die Region mit sich.

Unter anderem trugen auch diese Komponenten jedenfalls zur Gestaltung des einheitlicheren und effizienteren polizeilichen Auftretens bei.

Die grundsätzlichen Änderungen in unseren Ländern setzten sich mit der Einstellung der Grenzkontrollen zwischen unseren Ländern fort und führten zur Gestaltung der gegenwärtigen Form des Schengenraums.

Wir dürfen aber nicht vergessen, wo wir herkommen, mit welchen Erfahrungen, d.h. nach welchem Sozialisationsprozess wir die heutigen Zustände erleben. Die Generation unserer Eltern in Mittelosteuropa tastete z.B. noch die Tasche vor dem Grenzübertritt zehnmal ab, ob der Reisepass dort steckt. Die Menschen waren voller Angst, was an der Grenze passieren würde.

Unsere Kinder werden dies nicht mehr erleben.

Obschon die geschilderten Faktoren nicht mehr bestehen, müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die souveräne Sicherheit der Staaten durch den Schengen-Beitritt aus sicherheitspolitischer Sicht noch stärker betont erscheint und dem polizeilichen Vollzug neue, in der Praxis andere Aufgaben aufbürdet.

Fakt ist, dass die Öffnung der Binnengrenzen für den schnelleren Verkehr und die Erleichterung des Transports zwar das Komfortgefühl der Bevölkerungen in großem Maße erhöhte und sich auch auf die wirtschaftliche Effizienz der Länder positiv auswirkte. Dies alles kann aber andererseits auch den freien Fluss der Verbrecher und der Illegalen weiter fördern.

Das Zusammenwachsen Europas setzte und setzt sich fort, wobei meines Erachtens eines der wichtigsten Kriterien die Gewährleistung der Freiheit und des Allgemeinwohls für alle europäischen Bürger sein soll.

Wir in den Ländern der Region lernten in der jüngsten Vergangenheit, diese Werte immer mehr zu schätzen und wir strebten schon immer danach, unsere Errungenschaften zu verteidigen.

Hier kann und soll natürlich nicht nur die Polizei ihre Rolle haben, sondern auch die Gesellschaften der einzelnen Länder. Allerdings kann die Präsenz einer gesetzeskonform handelnden Polizei einer der wichtigsten Garanten für die Erhaltung der erzielten Ergebnisse sein.

In Kenntnis der Umstände erscheint es noch notwendiger und wichtiger zu sein, die kriminalpolizeiliche Zusammenarbeit unserer Mitgliedsländer zu intensivieren und zu erleichtern, wobei der MEPA auch weiterhin eine herausragende Rolle zukommen kann.

Dies alles bedarf auch in Zukunft einer „Garde“ gut ausgebildeter Polizeiexperten, die im konkreten aber auch im übertragenen Sinne des Wortes eine „gemeinsame Sprache“ sprechen.

Ich bin überzeugt davon, dass unsere MEPA als Institution den richtigen Weg bei der Bewältigung dieser Problematik geht.

Erlauben Sie mir, im Anschluss an diesen Gedankengang die Maßnahmen kurz anzusprechen, durch welche die MEPA die Förderung der grenzüberschreitenden polizeilichen Zusammenarbeit anstrebt. Das sind die Vermittlung, Erweiterung und Vertiefung von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten, die für die Bewältigung der Polizeiaufgaben notwendig sind. Diese dienen aber auch dem Kennenlernen der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen, rechtlichen, organisatorischen und kulturellen Hintergründe in anderen Ländern und sensibilisieren für das Erkennen der besonders gefährlichen Erscheinungsformen der Kriminalität. Ebenso wichtig sind für uns der Ausbau persönlicher Kontakte zur Vertrauensbildung und der Abbau von Verständnisproblemen und Vorurteilen.

All dies sind Gedanken und Grundsätze, die im grenzenlosen Europa zunehmend aktuell sind oder werden -  vielleicht mit ein wenig anderem Inhalt und in einem anderen historischen Umfeld, als es die Gründungsväter der MEPA in ihrer Vision geplant haben.

Das „grenzenlose” Europa ist ein politischer Riesenerfolg. Wir müssen allerdings  zugeben, es bürdet den Beamten der europäischen Polizeien - so auch jenen der MEPA-Länder - in naher Zukunft immer größere Lasten auf.

Wenn ich mich in meiner Heimat aber auch in den Nachbarstaaten umsehe, kann ich überall die Erneuerung und Reorganisation der Polizeien und Ordnungsdienste erfahren. Diese Reformen sind notwendig zum einen wegen des permanenten Wandels der Verbrechensstruktur, zum anderen aber auch zur Vervollkommnung des Organisationssystems der „Dienstleistung Polizei“, was von der Gesellschaft immer wieder verlangt wird.

Doch die notwendigsten, best durchdachten, die Effizienz steigernden und Erneuerungen fördernden Reorganisationen können eine kontinuierliche und erfolgreiche Arbeit stören, wenn die Umstrukturierung der Aufgabenverteilung und der Personenwechsel dazu führen, dass ein gut funktionierendes System zu stocken beginnt.

Gerade deshalb ist es wichtig, dass diejenigen, die die Struktur, Aktivitäten und Erfolge der MEPA kennen, über diese berichten und ihre Kenntnisse weitergeben. Es ist auch dazu notwendig, dass die Entscheidungsträger – und hier denke ich in erster Linie an die jeweilige mittlere und höhere Führung – trotz der immer wieder auftretenden organisatorischen und finanziellen Schwierigkeiten die kooperative internationale kriminalpolizeiliche Zusammenarbeit unterstützen, indem sie deren Notwendigkeit und unumstrittenen Nutzen anerkennen. Vor diesem Hintergrund sollen sie auch das Studium, die Fortbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fördern, auch wenn das zeitweilig mit verhältnismäßigem Verzicht und Mehrbelastung von Kollegen an einzelnen Dienststellen einhergeht.

Ich selber habe Jahre hindurch erfahren, dass unsere polizeilichen Alltage oft nicht nur durch die Verbrecher, sondern auch durch die Bürokratie erschwert werden und dass wir gelegentlich unendlich erscheinende Kämpfe mit den starren Regeln des Gewohnheitsrechts zu führen haben.

Wir dürfen aber den unsere Werte und Sicherheit bedrohenden Elementen nicht die Chance geben, dass wir die Bagatellisierung des Problems zulassen, oder unsere Aufmerksamkeit von immer neuen Schwierigkeiten erschöpft nachlässt, oder aber wir den Kampf gewissermaßen aufgeben.

Auch deshalb dürfen wir keine Möglichkeit ungenutzt lassen, die unsere erfolgreiche effiziente Polizeiarbeit unterstützen und fördern kann.

Wir Polizeibeamten tragen die Verantwortung dafür, dass die Menschen in unserer Region in Sicherheit und Ruhe leben können. Wir haben uns dafür einzubringen, wie dies der berühmte ungarische Dichter des 19. Jahrhunderts Mihály Vörösmarty in seinem Gedicht „Gedanken in der Bibliothek“ formulierte:

„Was haben wir auf dieser Welt zu schaffen?

Nach Kräften für das Edelste zu kämpfen.”…

 

Sehr geehrte Damen und Herren!

 

Wie Änderungen in unserem Umfeld gesetzmäßig immer wieder auftreten, so müssen auch Änderungen in den Bildungsmethoden und –mitteln der MEPA eintreten, das heißt, wir haben auch laufend neue Methoden zum Erfolg unserer Arbeit anzuwenden.

 

In den letzten zwei Jahren konnten Sie mehrmals über das EU-geförderte Projekt MEPA Online/Polizei Online hören, welches in Zusammenarbeit zwischen der MEPA, dem Innenministerium Baden-Württemberg und seiner Mitarbeiter sowie T-System verwirklicht wird. Meiner Meinung nach kann diese vielseitige multifunktionelle Kommunikationsplattform eine entsprechende technische Unterstützung der MEPA in den kommenden Jahren sicherstellen.

Hier werden den Interessenten Informationen über die MEPA und deren Aktivitäten auf einer zeitgerecht gestalteten öffentlichen Website angeboten. Daneben wurde auch ein interner Bereich für einen geschlossenen Benutzerkreis geschaffen, der den Berechtigten unter ständiger Fortentwicklung zahlreiche nützliche Möglichkeiten sichert.

 

Der Insider-Bereich ist bereits in der Lage, den MEPA-Absolventen die Kontaktpflege, den Informations- und Erfahrungsaustausch und die Suche nach Kolleginnen und Kollegen in einer Expertendatenbank zu ermöglichen.

 

Zukünftig soll dieser interne Bereich darüber hinaus auch der Vorbereitung künftiger Kursteilnehmer dienen können, z.B. bei der sprachlichen Fortbildung nicht deutschsprachiger Teilnehmer. Darüber hinaus sollen Diskussionen über fachspezifische Fragen in Foren ermöglicht werden.

 

Wenn die Träume in Erfüllung gehen und das MEPA-Online System im Vollbetrieb funktioniert, stellen wir eine einzigartige Möglichkeit für internationale, supranationale Verbindungen und die polizeiliche Zusammenarbeit in der EU sicher. Damit stellen wir den Polizeien der MEPA-Länder auch ein Mittel zur Verfügung, welches ein wichtiger Garant der effizienten und flexiblen Arbeit sein kann.

 

Was aber nicht vergessen werden darf: Der laufende Betrieb verlangt Menschen, die das System und seine Möglichkeiten betreiben, benutzen und im positiven Sinne ausnutzen. Gerade deshalb sind alle Akteure, vor allem die unmittelbaren Anwender und ihre Vorgesetzten zu motivieren, damit das System wirklich funktionieren kann.

 

Verehrte Teilnehmerinnen und Teilnehmer am MEPA-Hauptkurs 2008!

 

Nun können Sie eine flexible Sphäre erleben, die zum Vertrauen, zur Ehrlichkeit, zu menschlichen Beziehungen, zur Achtung der Regeln und anderer Menschen erzieht sowie der Stärkung der Toleranz unter Menschen mit verschiedenen sozialen und kulturellen Hintergründen dient.

Diese Sphäre hilft Ihnen, sich selber und die eigenen Reaktionen besser kennen zu lernen, dadurch sich selber aber auch andere besser zu verstehen.

 

Sie werden jetzt mit unterschiedlicher fachlicher Basis und Vorbildung, unterschiedlichen Erfahrungswerten und praktischen Erkenntnissen den Weg zum gemeinsamen Ziel gehen. Während dieser Reise werden Ihnen informations- und erfahrungsreiche Erlebnisse zuteil, die nach Meinung vieler  nur hier, im Rahmen des MEPA-Bildungssystems erlebt und erfahren werden können.

 

Mit der Grenzöffnung wurde nur ein externer Faktor abgeschafft, der in der jüngsten Vergangenheit sowieso keine besondere Rolle mehr spielte. Die MEPA baut andere Grenzen, die im Inneren der Menschen stehenden oder aufgebauten Wände ab, und fördert dadurch die privaten, beruflichen und nationalen Beziehungen.

 

Abbau von „inneren“ Grenzen und Vorurteilen – ist eines der Ziele der MEPA.

 

Bleiben Sie offen für Neuigkeiten, wollen Sie die anderen kennen lernen und sich kennen lernen lassen!

Die bevorstehenden elf Wochen bieten Ihnen dazu die Möglichkeit, nicht zuletzt durch den Gebrauch der gemeinsamen deutschen Arbeitssprache.

 

Nach dem Abschluss des Hauptkurses, nachdem Sie die gemeinsame Arbeit und Freizeit erfahren, die beruflichen Ziele, Lebensgeschichten, allfällige persönliche Probleme, Erfolge oder Misserfolge kennen gelernt haben, werden Sie alle fühlen und wissen, was es bedeutet, Angehöriger der MEPA-Familie zu sein.

Alle Erfahrungen werden eines bestätigen: Obwohl wir uns sehr unterscheiden, so sind wir doch sehr ähnlich. Und noch eines: Weil etwas nicht so oder nicht das ist, was schon gewohnt ist oder sich bereits bewährt hat, bedeutet das noch nicht, dass es falsch oder ungeeignet wäre. Es ist vielleicht einfach im Spiegel der gegebenen Traditionen, Denkweisen oder gesellschaftlichen Umgebung – von wo die Methode oder der Gedanke stammt – besser, geeigneter oder mit der gegebenen Mentalität besser zu akzeptieren.

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

 

Ich wünsche Ihnen allen gute Arbeit und viel Geduld für die kommenden Wochen. Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Hauptkurs, sowie dass Sie nach dem Kursabschluss mit den frei interpretierten Worten des bereits zitierten Dichters Vörösmarty behaupten können: 

 

Es war großes Vergnügen und harte Arbeit auch!

 

Ich bedanke mich bei Ihnen herzlich für die Aufmerksamkeit.

 
Letzte Änderung auf dieser Seite: 07.04.2008 15:26 
Impressum
© by MEPA - Webadministration 2007